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Erinnerung an Jodelkönigin Maria Hellwig * 22. Februar 1920 26. November 2010
Schon im zarten Alter von fünf Jahren trieb es Maria Hellwig zur Bühne. Zusammen mit ihren Eltern spielte sie am heimatlichen Bauerntheater. Zwei Jahre später durfte sie schon die Hauptrolle in dem Bühnenstück ´An seines Kindes Grab´ spielen. "Ich mußte darin sterben. Im Bett lag ich, und als ich ´tot´ war, blinzelte ich durch die Sprossen, um zu sehen wie das Publikum reagierte. Die Tränen flossen, und ich war voll zufrieden!", erzählt Maria Hellwig heute noch schmunzelnd. Übrigens, temperamentvoll war sie schon immer. So wollte sie einmal mit einem kleinen Wanderzirkus durchbrennen. Ihr Vater bemerkte dies allerdings rechtzeitig, und holte sie zurück. Nach ihrer Schulzeit absolvierte Maria in Rosenheim eine Lehre als Verkäuferin. Nach Geschäftsschluß zog es sie jedoch immer wieder zur Bühne hin. So spielte sie nicht nur in Reit im Winkl, sondern auch an der Rosenheimer Volksbühne. In Rosenheim nahm Maria Hellwig auch ihre ersten Gesangsstunden, und setze ihr musikalisches Talent auch auf der Bühne ein. Auf der Bühne lernte sie 1938 auch einen jungen Mann kennen und lieben. Es war Sepp Fischer, der im Dezember 1940 ihr Ehemann und am 5. Juli 1941 Vater ihrer Tochter Margot werden sollte. In Reit im Winkl wurde sie dann 1943 auch von dem berühmten Kammersänger Martin Kremer entdeckt und für ein Stipendium an der Akademie für Tonkunst in München vorgeschlagen. Unter 600 Bewerberinnen war sie eine der Fünf die einen Studienplatz erhielten. Der zweite Weltkrieg verschonte auch Maria nicht. Sie mußte ihre Gesangsausbildung unterbrechen, und verlor gleich zwei liebe Menschen. Ihr Bruder fiel in Frankreich und ihr Ehemann Sepp verstarb in fernen Rußland. Maria Hellwig nahm all ihre Kraft zusammen und half, wo man in dieser Zeit nur helfen konnte.
Die Sehnsucht zu ihrer kleinen Tochter Margot und ihren Bergen trieb Maria Hellwig zurück nach Reit im Winkl. Dort gründete sie mit ihrem Mann eine Wanderbühne, mit der sie viele Jahre durch die Lande zog. Im Lokal ´Almrausch´ waren Maria und Addi Hellwig dann auch musikalisch tätig. Schon bald war sie ein Geheimtip für Freunde volkstümlicher Operettenmelodien. Eines Tages hörte sie dort auch der Jodlerkönig Franzl Lang. Ihm fiel die schöne Stimme auf, und er zeigte Maria den berühmten Jodelschlag. Wochenlang übte sie im Kohlenkeller das Jodeln, solange bis es endlich ´geschnaggelt´ hatte. Addi Hellwig klopfte beim weltberühmten ´Münchner Platzl´ an. Ludwig Schmidt-Wildy, der damalige Direktor und Förderer vieler Talente, war ebenfalls von Marias Stimme angetan, und schon einen Monat später trat sie in München auf. Nun ließen Film, Funk und auch die Schallplatte nicht mehr lange auf sich warten. In Wien nahm sie für Telefunken 1957 ihren ersten Schallplattentitel auf. Zusammen mit Rudolf Lenz spielte sie in den Heimatfilmen ´Der Jäger vom Fall´ oder ´Zwei Bayern im Urwald´ mit. 1958 durfte Maria Hellwig zusammen mit dem Orchester Max Greger auf große Rußland-Tournee gehen. Sie war die erste Sängerin nach dem Krieg die in diesem Land auftreten durfte. Für diese Tournee lernte sie übrigens Russisch, und sang auch den ´Erzherzog-Johann-Jodler´ in dieser Sprache. Fünf Jahre später sang Maria Hellwig mit ihrer Tochter Margot das erste Mal gemeinsam auf Schallplatte. Das Publikum wie auch die Rundfunk- und Fernsehsender waren begeistert. Ein Jahr später baute Addi Hellwig einen alten Kuhstall in ein Café-Restaurant um. Maria richtete es liebevoll ein, und am ersten Weihnachtsfeiertag 1964 wurde der ´Kuhstall´ eröffnet. Noch heute ist der ´Kuhstall´ ein Anziehungspunkt für Volksmusikfreunde aus dem In- und Ausland.
Tourneen führten Maria Hellwig rund um den Globus. In fast allen Ländern Europas, Afrika, Amerika, Kanada, Hawaii oder Japan, überall versteht es die beliebte Jodelkönigin ihr Publikum zu begeistern. So zählte ihr Programm ´Die Musik kommt´ viele Jahre zu einer der bekanntesten Tourneen. Von 1984 bis 1991 führte sie mit ihrer Tochter Margot durch die RTL ´Heimatmelodie´ , die in der volkstümlichen Musik neue Zeichen setzte, und innerhalb kürzester Zeit zu einer der beliebtesten Sendungen der Privatsender wurde. Bis 1993 hieß es ´Servus, Gruezi und Hallo´ bei RTL: Ein großer Schicksalsschlag ereilte Maria Hellwig im September 1996. Plötzlich und völlig unerwartet verstarb ihr geliebter Ehemann und Manager Addi Hellwig. Aus diesem Grund übergab sie im Dezember 1996 den ´Kuhstall´, welchen sie 32 Jahre mit ihrem Addi führte, an ihren Kollegen Thomas Berger. Maria Hellwig erhielt für
ihre Verdienste um die Musik und deutschen Landschaften schon viele
Preise und Auszeichnungen. So Goldene Schallplatten, die Herman-Löns-Medaille
in Bronze, Silber, Gold und Platin, zahlreiche Anerkennungen von Bürgermeistern,
Landräten und Vereinen sowie das Edelweiß, den Ehren-Bambi des Hauses
Burda, um nur einige zu n © by Torsten Nitsche 2010 |
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